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Grafikmagazin

Born to be awesome

Mitten in der Corona-Krise wagen sich Christine Moosmann und Christian Meier mit einem neuen Print-Magazin an den Start, das sich ganz dem Thema Design widmet. Beide bringen viel Erfahrung mit, haben sie doch bislang die renommierte Designzeitschrift „Novum“ verantwortet.

Der VDMB sprach mit den Machern des „Grafikmagazins“ über Begeisterung für Print, Fans, Start-up-Mentalität und Neues wagen in unsicheren Zeiten.

Die ganze Welt spricht nur über Corona und ihr bringt eine neue Print-Zeitschrift auf den Markt. Was treibt euch an?

Christine Moosmann: Not macht, wie es so schön heißt, erfinderisch. Das mussten wir auch sein, als im vergangenen Jahr klar war, dass es die novum in der bisherigen Form nicht mehr geben würde. Für uns hieß das, dass wir zusammen mit unseren Kollegen Sonja Pham und Tobias Holzmann ab Dezember auf der Straße stehen würden. Also mussten wir uns etwas einfallen lassen.
Christian Meier: Nun hätte jeder von uns eigene Wege gehen können, aber da wir ein eingespieltes Team sind und seit vielen Jahren sehr gut zusammenarbeiten, haben wir beschlossen, es gemeinsam anzupacken. Im November wurden wir vier dann zu Gründern und Gesellschaftern des Phoenix Verlags für Grafikdesign und im Februar erscheint die erste Ausgabe des Grafikmagazins.

Nochmal ein Blick zurück. Ihr habt jahrelang die große Designzeitschrift novum als Redaktionsteam gemacht. Warum jetzt das Grafikmagazin?

Christian Meier: Die novum ist ja nicht verschwunden, weil sie schlecht war. Bis zuletzt besaß sie einen soliden Abonnentenstamm und hätte aus unserer Sicht erfolgreich weitergeführt werden können. Die nun eingegangene Abonnenten-Kooperation mit der Page scheint, von außen gesehen, also keine Notwendigkeit zu sein. Eher eine Form, sich lukrativ von dem Magazin zu verabschieden.
Christine Moosmann: Wir wussten also, dass wir ein gutes Produkt haben und viele Tausend treue Leser, die Ende des Jahres ihre mediale Heimat verlieren würden. Also war schnell klar, dass wir ein neues, qualitativ hochwertiges Fachmagazin für Grafikdesign gründen wollten.

Wie wird das Grafikmagazin aussehen? Ist es eine novum 2.0?

Christine Moosmann: Jein. Hinter dem neuen Grafikmagazin steckt das ehemalige novum-Team, gewisse Überschneidungen werden also nicht ausbleiben. Und Dinge, die vorher gut funktionierten und von den Lesern geschätzt wurden, werden wir natürlich beibehalten. Besondere Papiere, Handwerkskunst, Druck und raffinierte Veredelungen spielen zum Beispiel auch beim Grafikmagazin eine wichtige Rolle. Der Fokus auf Print ist jetzt sogar noch stärker, redaktionell, aber auch durch das Heft selbst, da wir nicht nur wie gehabt tolle und ungewöhnliche Cover produzieren werden, sondern auch mit drei verschiedenen und wechselnden Inhaltspapieren aufwarten.
Christian Meier: Ein neues Magazin zu gründen, bietet auch die Chance, vieles besser zu machen und sich zu erneuern. Im Grafikmagazin werden unsere Leser also einiges finden, was ihnen vertraut ist, aber auch vieles, was neu, zeitgemäßer und experimenteller ist.

» Ein Designstudio kommentierte, wir hätten in einem wahren „Mutausbruch“ ein neues Magazin ins Leben gerufen, und so wurde das von vielen anderen auch gesehen. «
Das Grafikmagazin-Team: Christian Meier, Sonja Pham, Christine Moosmann, Tobias Holzmann (v. l. n. r.)

Erzählt mal, wie das so war mit der Gründung einer neuen Zeitschrift?
Seid ihr eigentlich ein Start-up?

Christian Meier: Die Gründungszeit war extrem turbulent und intensiv, viel Arbeit und noch mehr Hürden und Probleme, die wir lösen mussten. Aber es war auch eine tolle Zeit, denn wir haben sehr viel Zuspruch durch unsere Leser, Autoren, Dienstleister und Anzeigenkunden bekommen.

In den sozialen Medien gibt es ebenfalls viel Unterstützung für euch. Und auch euer Crowdfunding-Projekt lief erfolgreich. Habt ihr schon vor dem ersten Heft eine Fangemeinde?

Christine Moosmann: Absolut. Als publik wurde, dass es die novum nicht mehr geben wird, wurden wir überrannt. Die Branche war fassungslos, aber gerade deshalb fanden es die Leute umso toller, dass wir uns nicht unterkriegen lassen und weitermachen. Und so komisch sich das anhört, auch Corona hat uns geholfen. 2020 hat uns alle viel gekostet und der monatelange Stillstand zerrte an den Nerven, da erschien unsere Neugründung wie ein Licht am Horizont. Ein Designstudio kommentierte, wir hätten in einem wahren „Mutausbruch“ ein neues Magazin ins Leben gerufen, und so wurde das von vielen anderen auch gesehen.

Stehen neben einer erfolgreichen ersten Ausgabe des Grafikmagazins noch weitere Projekte auf eurer Agenda?

Christian Meier: Natürlich freuen wir uns sehr, die kommende Druck und Design Konferenz wieder in Partnerschaft mit dem VDMB zu veranstalten. Hoffentlich lässt es die Situation im Oktober zu, dass wir unseren Teilnehmern erneut eine ausgezeichnete Veranstaltung im Literaturhaus bieten können.

Und wenn jeder von euch einen Wunsch frei hätte?

Christine Moosmann: Natürlich wünsche ich mir, dass das Grafikmagazin gut ankommt und seinen festen Platz in der Design- und Medienlandschaft findet. Und ich wünsche mir, dass man bald wieder andere Leute treffen kann – der Austausch fehlt doch sehr, menschlich wie beruflich.
Christian Meier: Diesen Wünschen habe ich nichts hinzuzufügen.

Dieser Beitrag ist erstmals erschienen in NUTZEN - Das Magazin der Druck- und Medienverbände (Ausgabe Bayern I/2021).

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