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VDMB feiert Jubiläum

75 Jahre
#Gemeinschaft
für Print

Die Geschichte der Druckindustrie in Bayern ist eng mit dem Namen Schleunung verknüpft. Der Landesvorsitzende Christoph Schleunung und sein Vater, Willy Schleunung, decken gemeinsam viele Jahrzehnte ehrenamtliches Engagement ab. Sie haben wesentliche Etappen des VDMB geprägt.

Von Christoph Schleunung, Landesvorsitzender VDMB und Geschäftsführender Gesellschafter Schleunungdruck und Druckhaus Mainfranken

Ich erinnere mich noch gut daran, wie mich mein Vater Willy schon als Bub mit zu den Verbandstagungen nahm. Ich durfte am Freitag die Schule schwänzen, fuhr mit ihm an den Tegernsee und verbrachte dann das Wochenende als stiller Beobachter unter Druckern, Verbandsvertretern und Politikern. Das waren besondere Erlebnisse, die meinen weiteren Werdegang augenscheinlich beeinflusst haben. So lange ich denken kann, haben die Schwarze Kunst und die Verbandsgemeinschaft mein Leben geprägt. Die Liebe zu Print und die tiefe Verbundenheit zu Branche und Verband wurde mir sozusagen in die Wiege gelegt. Mein Vater gehörte der Gründergeneration unserer sozialen Marktwirtschaft an. Nach Kriegsende und nach der Rückkehr aus der Gefangenschaft, baute er mit drei Mitarbeitern die Druckerei Schleunung im Hinterhof der elterlichen Gaststätte in Marktheidenfeld auf. Er war stolzer Buchdruckerlehrmeister und engagierte sich für die Branche mit sehr viel Herzblut.

Zur gleichen Zeit fanden sich nach den Schrecken des Zweiten Weltkriegs viele bayerische Druckereibesitzer zusammen, um den Verein der Graphischen Betriebe in Bayern aus der Taufe zu heben. Die erste Organisation ihrer Art nach Kriegsende, die richtungsweisend für viele später entstandene Berufsvertretungen war, und die bereits im ersten Jahr über 1000 bayerische Unternehmen als Mitglieder zählte. Auch Schleunungdruck gehörte zu den Gründungsmitgliedern. Dem Druckunternehmer und ersten Vorsitzenden Theodor Dietz gelang es damals, das gesamte graphische Gewerbe in Bayern zu einer Gemeinschaft zu vereinen. In seiner Rede auf der ersten Jahrestagung des Verbandes in Regensburg berichtete er von Reisen unter schwersten Verhältnissen durch ganz Bayern, um überall die Fäden anzuknüpfen, die wegen des Krieges zerrissen waren. Über seine Begegnungen mit den Unternehmern im ganzen Land sagte Dietz: „Überall fand sich guter Wille und Idealismus und die Erkenntnis der Notwendigkeit der Vereinigung vor, besonders aber in den zerstörten Gebieten unserer Heimat.“

» Die Ermöglichung der Begegnung und des wertvollen Austauschs der Mitgliedsunternehmen untereinander, ist eine der wichtigsten Aufgaben des VDMB. «
Christoph Schleunung, Landesvorsitzender VDMB und Geschäftsführender Gesellschafter Schleunungdruck und Druckhaus Mainfranken

Es ist allgemein bekannt: Krisen meistert man am besten gemeinsam. Das wussten unsere Kolleginnen und Kollegen schon damals und auch wir haben in den zurückliegenden anderthalb Jahren festgestellt, wie wichtig ein funktionstüchtiger Verband für seine Mitglieder, insbesondere in schwierigen Zeiten, ist. Die Herausforderungen für Unternehmen sind auch heute umfangreich und vor allem breit gefächert: Digitalisierung, Fachkräftemangel, schneller technologischer Wandel und daraus resultierende hohe Anforderungen an Mitarbeiter und Führungskräfte. Dazu kommen die aktuellen, teils schwerwiegenden wirtschaftlichen Einschnitte, die die Corona-Krise mit sich brachte. Hier zeigt der Verband, weshalb ein gut funktionierendes Netzwerk, gegenseitige Unterstützung und wichtige Informationen ein Unternehmen zu Krisenzeiten stützen können. Die Mitgliedschaft in einem Verband bedeutet zudem theoretischen und praktischen Erfahrungsaustausch mit Kollegenbetrieben, die Präsentation des eigenen Unternehmens und den berühmten Blick über den Tellerrand.

Diese Blicke in Kollegenbetriebe konnte ich während meiner eigenen beruflichen Stationen vor dem Einstieg in die elterliche Firma werfen. Diese waren allesamt eng mit dem Verband verknüpft. Bereits während meines Studiums der Druckereitechnik Anfang der 80er Jahre in München absolvierte ich ein Praxissemester bei der überbetrieblichen Ausbildung (üba) in der Klenzestraße und bei der Firma Biering. Danach arbeitete ich zwei Jahre bei Mayr Miesbach – insgesamt eine sehr prägende Zeit mit interessanten Einblicken in die unterschiedlichen Betriebe.

Bereits kurz nach meinem Einstieg bei Schleunungdruck im Jahr 1985 wurde ich Schatzmeister des VDMB. Dieses Amt hatte ich 14 Jahre inne. Bald darauf vertrat ich zudem die Interessen der Unternehmen im Präsidium des Bundesverbands Druck und Medien bis hinein in die kleine Tarif-Verhandlungskommission – wie übrigens seinerzeit auch schon mein Vater. Als ich dann im Jahr 2013 auf der Jahrestagung in Augsburg einstimmig zum neuen Verbandsvorsitzenden gewählt wurde, war ich davon gerührt, dass ich – fast auf den Tag genau 40 Jahre nach meinem Vater – dieses Amt von den Mitgliedern anvertraut bekam. Auch heute noch ist es mir eine große Ehre von meinen Kollegen aus der Branche für geeignet befunden zu werden, sie zu repräsentieren.

Meine Aufgabe als Unternehmer sehe ich nicht nur darin, den wirtschaftlichen Erfolg sicherzustellen. Ich möchte meinen Berufsstand auch in der Öffentlichkeit vertreten und mich für ihn einsetzen. Mein Vater sagte einmal anlässlich der Verleihung des Rudolf-Ullstein Ringes im Jahr 1993 in Berlin: „Wir ehrenamtlich tätigen Unternehmer müssen Ziele definieren und vorgeben — und dafür sorgen, dass hochmotivierte und leistungsbereite Geschäftsführer den Freiraum zur strategischen Umsetzung haben.“ Für diesen Freiraum zu sorgen, das ist auch stets mein Anspruch und dafür setze ich mich gerne ein. Wie im Übrigen auch die rund 60 Vertreter aus den Betrieben, die sich heute in den verschiedensten Fachgremien und Branchenorganisationen des VDMB ehrenamtlich engagieren. Sie tun dies mit großem Einsatz zum Wohle aller Mitgliedsbetriebe und der gesamten Printbranche.

Der Verband, das sind für mich vor allem die Menschen, das Netzwerk und daraus entstehende und entstandene Freundschaften. Wir sitzen alle in einem Boot und ein Miteinander ist immer wertvoller als ein Gegeneinander. Die Veranstaltungen des Verbandes tragen als wichtige Plattformen für Begegnung hierzu bei. Viele Treffen und Jahrestagungen sind mir auch heute noch in besonderer Erinnerung. Sei es als junger Bub am Tegernsee oder als Landesvorsitzender in meiner Heimatstadt Würzburg beim Fränkischen Abend im Staatlichen Hofkeller. Die Ermöglichung der Begegnung und des wertvollen Austauschs der Mitgliedsunternehmen untereinander, ist eine der wichtigsten Aufgaben des VDMB.

Eines ist gewiss: Unternehmen, die über ein starkes Netzwerk verfügen, sind widerstandsfähiger als Unternehmen ohne funktionierendes Netzwerk – und diesen oftmals einen Schritt voraus. Und dabei ist es egal, ob es sich um einen großen Zeitungsbetrieb oder eine kleine Akzidenzdruckerei handelt. Der VDMB mit all seinen vielfältigen Unternehmen und Persönlichkeiten ist gelebte Solidarität. Eine einzigartige, großartige Gemeinschaft!

In diesem Sinne:
Gott grüß die Kunst!


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