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Demografie

Viele Wege führen zum Personal

Die Fachkräftesicherung und mit ihr die Gewinnung von qualifiziertem Branchennachwuchs machen vielen Druckereien zu schaffen. Im Wettbewerb sind die eigenen erfahrenen, kompetenten und leistungsfähigen Mitarbeiter häufig ein ausschlaggebender Punkt. Deshalb gilt es künftig mehr denn je, sich als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren.

Die Fachkräftesicherung zählt für die Unternehmen der Druckindustrie zu den TOP-Themen der kommenden Jahre. Im gemeinsamen Gespräch schildern die Unternehmer Ulrich Stetter, Stefan Mail und Fabian Roessing die Fachkräftesituation in ihren Betrieben.

Die Fragen stellten Marian Rappl und Thomas Hosemann

Bei einer Branchenbefragung im vergangenen Jahr sahen 30 Prozent der befragten Druckunternehmen den zunehmenden Fachkräftemangel als eine der größten Geschäftsrisiken in den nächsten Jahren an. Wie gestaltet sich die Fachkräftesituation in Ihrem Unternehmen?

Fabian Roessing: Der Fachkräftemangel ist mit dem Abklingen der Coronapandemie im letzten Jahr schlagartig kritisch geworden. Im Bereich der Verwaltung begegnen wir diesem durch viele Benefits wie Homeoffice, flexible Arbeitszeiten, Jobrad, Obstkörbe, Gesundheitsmanagement und Team-Events. Im Bereich der Maschinen- und Anlagenführer ist das Bild zwar regional sehr unterschiedlich, jedoch ist hier die Nachfrage hoch und daher stehen wir im starken Wettbewerbzu den zyklischen Branchen Automobil und Konsumgüter, die sehr hohe Gehaltsniveaus bieten. Dies wird auch in den nächsten Jahren so bleiben und teilweise auch noch schwieriger werden.

Ulrich Stetter: Wir bilden in allen Berufsbildern aus, die wir auch benötigen. Seit letztem Jahr ist der Konkurrenzkampf um gute Fachkräfte und auch Hilfskräfte aber deutlich härter geworden. Wir konkurrieren hier mit anderen Branchen und großen Konzernen. In den Bereichen Druck und Vorstufe sind wir gut aufgestellt,in der Weiterverarbeitung und im Lager ist es schwieriger. Dort haben wir offene Stellen, die wir aktuell nicht besetzen können.

Stefan Mail: Der Fachkräftemangel ist nicht neu. Bereits seit Jahren haben wir diese Situation, die sich jetzt noch verschärft. Leider ist unsere Branche nicht mehr so attraktiv für die jungen Leute. Wir haben ein dickes Imageproblem, das war auch mal ganz anders! Heute ist es für die Eltern besonders wichtig, dass ihre Kinder Abitur machen und möglichst studieren – und keine Ausbildung. Darum gibt es auch längst nicht mehr so viele Bewerber auf angebotene Ausbildungsplätze wie früher, und auch die Qualität der Bewerber hat sehr nachgelassen. Erfahrene Fachkräfte sind auf dem Arbeitsmarkt kaum zu bekommen. Bei uns im Unternehmen bilden wir schon seit über 25 Jahren über Bedarf aus. Die Erfahrung hat uns gezeigt, dass wir immer wieder gut ausgebildete, junge Fachkräfte verlieren, da diese sich zumMedienfachwirt, Techniker oder in einem Studium weiter qualifizieren. Unsere Ausbildungsquote liegt zurzeit bei knapp 20 Prozent. Aber auch wir können momentan nicht alle offenen Stellen besetzen.

» Wir arbeiten alle in einer Branche, die sich seit jeher im Veränderungsmodus befindet. Deshalb war und ist die Weiterbildung gerade in unserem Gewerbe von so großer Bedeutung. «
Ulrich Stetter, Geschäftsführer der Druckhaus Mainfranken GmbH sowie der Schleunungdruck GmbH

Was sind die größten Hebel, um dem Fachkräftemangel zu begegnen?

Fabian Roessing: Wichtig ist zunächst, bestehendes Personal zu halten. Unsere Mitarbeiter sind der Schlüssel zum Erfolg. Neue, aber auch langjährige Mitarbeiter werden bei uns stets gefördert. Wir bei Achilles bieten ihnen einen zukunftsorientierten Arbeitsplatz, fördern die Weiterbildung und auch die Gesundheit der Mitarbeiter zusätzlich durch ein betriebliches Gesundheitsmanagement und selbstverständlich eine leistungsgerechte Bezahlung.

Stefan Mail: Wir suchen nicht nach den fachlich perfekt passenden Mitarbeitenden, sondern nach Menschen mit Persönlichkeit, die Lust auf etwas Neues haben. Wir sind Spezialisten für die Herstellung von Rollen-Haftetiketten. Unsere Fertigung arbeitet neben modernen Digitaldruckverfahren mit innovativer Laserschneidtechologie in einem sehr hoch automatisierten Workflow. Da sind Fachkräfte mit hoher Kompetenz für uns sehr wichtig. Aber diese Fachkräfte sind für unsere Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt nur schwer, eigentlich gar nicht zu finden. Selbst ein erfahrener Medientechnologe Druck, der von „außen“ in unser Unternehmen kommt, muss intensiv angelernt werden, um unsere digitalen, automatischen Prozesse zu verstehenund steuern zu können. Deshalb bilden wir regelmäßig aus und übernehmen die Azubis dann in der Regel. So wachsen neue Mitarbeiter kontinuierlich in unsere Strukturen hinein.

Ulrich Stetter: Da ist zuerst die Unternehmenskultur,wir leben und arbeiten auf dem Land, da spricht es sich herum, ob es „beim Schleunung“ passt oder nicht. Der Umgang miteinander, Fairness und Offenheit, dazu das Gesamtangebot aus Bezahlung und vielen weiteren Angeboten an Weiterbildung, Betriebsveranstaltungen. Die Mitarbeiter wissen, das Unternehmen ist für sie da, das Unternehmen weiß, es kann sich auf die Mitarbeiter verlassen.

Wie wichtig ist die duale Ausbildung für Ihren Erfolg? Wie gewinnen Sie Nachwuchs?

Ulrich Stetter: Auch wir sind von der Wichtigkeit der Ausbildung überzeugt und versuchen unseren Bedarf an Fachkräften darüber zu decken. In die überbetriebliche Ausbildung unserer Nachwuchskräfte investieren wir deshalb auch viel Geld und Zeit. Aber passende Auszubildende zu finden ist kein Selbstläufer. Wir nutzen beispielsweise den Zukunftstag, um uns jungen Menschen zu präsentieren, ihnen mit einem Blick hinter die Kulissen unser Unternehmen näherzubringen. Natürlich hoffen wir, dass sich der eine oder andere Gast von der besonderen Druckerei-Atmosphäre angesprochen fühlt und später über eine Ausbildung nachdenkt. Aber vor allem wollen wir zeigen, welche Vielfalt an Berufen bei uns existiert und neugierig machen auf unser Handwerk. Viele Jugendliche haben leider ein völlig falsches Bild von unserer Branche. Zuletzt konnten wir aber vermehrt auch junge Frauen für den Beruf des „Druckers“ begeistern, dies hilft uns auf jeden Fall.

» Kontinuierliche Personalentwicklung auf hohem Niveau steigert die Arbeitgeberattraktivität und fördert die Bindung von qualifizierten Mitarbeitern an unser Unternehmen «
Stefan Mail, geschäftsführender Gesellschafter der Mail Druck + Medien GmbH

Fabian Roessing: Ausbildung ist auch für uns ein zentraler Baustein, um dem Mangel an Fachkräften zu begegnen. Wir werben auf Ausbildungsmessen und auch in unserem Unternehmen um den Nachwuchs und sind hierfür auch von der IHK Lüneburg bereits zweimal ausgezeichnet worden. Hier stehen unsere eigenen Auszubildenden Rede und Antwort. Denn wer könnte alle Fragen rund um die Ausbildung in unserem Haus besser beantworten als sie.

Ulrich Stetter: Neben der Ausbildung versuchen wir aber auch ganz gezielt, Mitarbeitende für anspruchsvollere Aufgaben zu qualifizieren. Hierzu haben wir ein internes Weiterbildungsprogramm aufgesetzt, das sich „Vom Helfer zum Drucker“ nennt. Wir bieten unseren qualifizierten Helfern damit die Möglichkeit, sich weiterzubilden, inklusive IHK-Abschluss und mit finanzieller Unterstützung. Natürlich ist nicht jeder für diesen Weg bereit oder geeignet, denn die Bandbreite bei unseren Mitarbeitenden ist sehr groß – vom Lernbegeisterten bis hin zum wenig Veränderungsbereiten ist alles dabei. Aber der Erfolg gibt uns recht.

Welche Rolle bei der Fachkräftesicherung spielt die Mitarbeiterqualifizierung?

Stefan Mail: Für alle Mitarbeiter in unserem Unternehmen gibt es ein spezielles Personalentwicklungsprogramm, das individuell auf jeden Einzelnen zugeschnitten ist. Das gilt für jeden in unserem Team und in allen Hierarchiestufen – vom Azubi bis hin zur Geschäftsleitung –, alle werden gezielt geschult. Wir bieten Weiterbildungsmöglichkeiten in allen Fachbereichen, von der Vorstufe bis zur Weiterverarbeitung, aber auch betriebswirtschaftliche und Vertriebsthemen. Wir produzieren speziell Rollen-Haftetiketten in einem hoch automatisierten Fertigungsprozess. Ständig optimieren wir und verändern damit unsere Automationsprozesse in einem ausgefeilten KVP-Prozess. Alle Produktionsmitarbeiter unseres Teams arbeiten in Rotation in allen Abteilungen, sodass immer Abwechslung und Neues auf alle Mitarbeiter zukommt.

» Ausbildung ist ein zentraler Baustein, um dem Mangel an Fachkräften zu begegnen. «
Fabian Roessing, geschäftsführender Gesellschafter der Werner Achilles GmbH & Co. KG

Ulrich Stetter: Wir arbeiten ja alle in einer Branche, die sich seit jeher im Veränderungsmodus befindet. Deshalb war und ist die Weiterbildung gerade in unserem Gewerbe von so großer Bedeutung. Und es kommt eine junge Generation nach, die viele Ansprüche stellt und nicht damit rechnet, die Gesellenausbildung zu machen und die nächsten 40 Jahre an ein und derselben Maschine zu arbeiten. Außerdem ändert sich auch die Technologie – die Entwicklung geht immer mehr weg von Maschinen, die bedient werden müssen, hin zu Maschinen, die überwacht werden müssen. Das Bedienen kann man im Zweifelsfall leichter trainieren als das Überwachen. Damit ändert sich auch der Anspruch an die Mitarbeitenden und die Art und Weise, wie wir die Mitarbeiter ausbilden und schulen.

Fabian Roessing: Weiterbildung hat auch für unser Unternehmen eine große Bedeutung, und zwar für alle Berufsgruppen – vom Auszubildenden über die Facharbeiter bis hin zu den Führungskräften. Das Allerwichtigste für die Motivation der Mitarbeitenden ist das Thema Wertschätzung, das bedeutet, wir als Unternehmen investieren in unsere Mitarbeiter und wollen, dass sie langfristig bei uns bleiben.

Was tun Sie, um als interessanter Arbeitgeber wahrgenommen zu werden?

Fabian Roessing: Das Thema Employer Branding spielt hier eine wichtige Rolle. Wir wollen uns als Unternehmen präsentieren, das in seine Mitarbeitenden investiert, sie wertschätzt und fördert. Das ist uns wichtig zukommunizieren und nach außen zu tragen. Das fängt schon bei potenziellen Azubis an, da kommt häufig die Frage, was unser Unternehmen denn alles bietet. Und da ist die fachliche und persönliche Weiterbildung oft der entscheidende Faktor für die Entscheidung für unser Unternehmen.

Stefan Mail: Dem kann ich nur zustimmen. Wenn wir in Zeiten des Fachkräftemangels intensive Weiterbildung anbieten, sind wir auch für neue Mitarbeiter wieder attraktiv. Kontinuierliche Personalentwicklung auf hohem Niveau steigert also unsere Attraktivität als Arbeitgeber und fördert aber auch die Bindung von qualifizierten Mitarbeitern an unser Unternehmen. Zudem haben wir so eine hohe Produktivität gerade durch die hoch qualifizierten Mitarbeiter in unserem Team. Also eine schöne Win-win-Situation.

Ulrich Stetter: Wir bieten hier ein breites Portfolio, von der Tarifbindung über die Mitarbeiterbeteiligung, Weiterbildungsförderung bis hin zu Firmenveranstaltungen. Die Mischung ist sehr wichtig und unsere Mitarbeiterumfrage zeigt uns die Wichtigkeit aller dieser Angebote. Sehr wichtig ist auch die Kultur im Unternehmen, wie wird miteinander gearbeitet, da haben wir in den letzten Jahren viel angestoßen. Die Mitarbeiter wollen verstehen, warum wir etwas tun, wollen besser informiert sein. Aktuell haben wir verschiedene Projekte im Bereich Lean Management, da geht es darum, den eigenen Arbeitsplatz besser zu gestalten, das wird sehr gut angenommen.