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Vier Dimensionen

Vier große „D“ prägen die Wirtschaft

Vier fundamentale Veränderungen stellen die deutsche Wirtschaft und damit auch die Unternehmen der Druckindustrie vor große Herausforderungen. Wir wollen diese aufgreifen und deren Auswirkungen auf die Betriebe unserer Branche beleuchten.

Zwar haben die Coronapandemie und der Krieg in der Ukraine die Welt aus dem Tritt gebracht, doch langfristig – so das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) – werden vor allem folgende vier zentrale Herausforderungen die Wirtschaft und die Gesellschaft in Bedrängnis bringen:

Die DIGITALISIERUNG ändert Prozesse und Geschäftsmodelle, doch gibt es in Deutschland großen Nachholbedarf bei der Infrastruktur und der öffentlichen Verwaltung.

DEKARBONISIERUNG beschreibt die notwendigen Veränderungen, um Klimaziele zu erreichen – Energiewende, klimafreundliche Produkte und Technologien.

Durch den DEMOGRAFISCHEN WANDEL nimmt das Fachkräfteangebot in den kommenden Jahren ab, vor allem bei den für Innovationen relevanten MINT-Arbeitskräften.

DEGLOBALISIERUNG meint eine stärkere Regionalisierung von Wertschöpfungsketten.Die Pandemie und der Krieg in der Ukraine haben deutlich gezeigt, dass die Abhängigkeit von globalen Lieferketten enorme Risiken birgt.

* Bundesverband Druck und Medien e. V. (bvdm), Befragung zur wirtschaftlichen Lage der Druck- und Medienwirtschaft 2021, Juni 2021
** Bundesverband Druck und Medien e. V. (bvdm), Kurzumfrage zur aktuellen Knappheitssituation auf den Druckpapiermärkten, März 2022
*** Bundesverband Druck und Medien e. V. (bvdm), Umfrage zur Ausbildungs- und Fachkräftesituation 2021

 

Ein besonderer Veränderungsdruck besteht, wennsich mehrere Herausforderungen überschneiden. Die IW-Studie, für die 1300 Unternehmen befragt wurden, zeigt: Knapp 59 Prozent des Umsatzes in Deutschland erwirtschaften Firmen, für die drei oder sogar vier dieser Veränderungen einen hohen Stellenwert für die kommenden fünf Jahre haben. Die betroffenen Unternehmen sind überdurchschnittlich erfolgreich und innovativ, sehen in den Veränderungen auch Chancen, benötigen dafür aber gute Rahmenbedingungen der Politik.

Gefährliche Überschneidungen

Die Herausforderungen der Unternehmen verstärken sich gegenseitig. Beispiel Globalisierung und Klimaschutz: In der Vergangenheit wurden häufig Klimaschutzgüter gefördert, bei denen andere Länder komparative Vorteile hatten, in der Folge verlor Deutschland Marktanteile. Zugleich sehen viele Unternehmen durch den Green Deal aber auch Exportchancen. Auch an der Schnittstelle Digitalisierung, Klimaschutz und Demografie drohen Gefahren: 63 Prozent der größeren Unternehmen erwarten zur Entwicklung klimafreundlicher Technologien und Produkte in den kommenden fünf Jahren einen steigenden Bedarf an IT-Experten, 43 Prozent einen steigenden Bedarf an Ingenieuren. Bereits jetzt fehlen laut IW allein rund 33.000 IT-Experten, durch den demografischen Wandel drohen die Engpässe an IT-Experten und Ingenieuren weiter zu steigen.

Drängende Aufgaben für die Politik

„Die Firmen nehmen die fundamentalen Veränderungen an, benötigen aber politische Unterstützung, damit die Transformation gelingt und Wohlstand gesichert werden kann“, betont IW-Direktor Michael Hüther. So sei eine Kernaufgabe der Politik, eine deutlich bessere digitale Infrastruktur zu schaffen. Zudem solle die Regierung dafür Sorge tragen, dass die digitale Bildung gestärkt, die Forschung intensiviert, die Infrastruktur erneuerbarer Energien gefördert und die qualifizierte Zuwanderung noch besser geregelt wird. Die Politik solle den Kampf gegen Wettbewerbsverzerrungen durch China intensivieren und verbindliche europäische Standards etablieren.

» Die Firmen nehmen die fundamentalen Veränderungen an, benötigen aber politische Unterstützung, damit die Transformation gelingt.   «
Prof. Dr. Michael Hüther, Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

Erhebliche Auswirkungen auch auf die Druckindustrie

Auch vor der Druck- und Medienindustrie machen diese Entwicklungen nicht halt. So hat der Vorstand des VDMB bereits im Jahr 2019 mit dem Fachkräftemangel, der Digitalisierung und der Nachhaltigkeit drei der vier Ds als größte Herausforderungen der Bayerischen Druck- und Medienbranche identifiziert. In den vergangenen Jahren haben sich diese, auch durch die Folgen der Coronapandemie, noch verstärkt, und spätestens mit Beginn des Ukrainekrieges ist auch die Deglobalisierung als weiterer Einflussfaktor in den Fokus gerückt. Steigende Preise, strapazierte Lieferketten und eine unsichere geopolitische Lage verlangen den Unternehmen viel ab.

Angespannte Branchensituation

Seit ihren Anfängen wurde die deutsche Druck- und Medienbranche immer wieder vor große Herausforderungen gestellt und konnte diese stets durch unkonventionelle Lösungen und unternehmerisches Geschick lösen. Auch wenn die Lage nach der Pandemie prekär ist und die Belastungen durch Lieferengpässe, Preisanstiege und geopolitische Risiken historisch sind, so hat sichdie Branche auch im vergangenen Jahr als durchaus resilient erwiesen. Aber eines ist klar: Die vier großen Ds werden unsere Branche auch in den kommenden Jahren fest im Griff haben und das Handeln unserer Unternehmen entscheidend beeinflussen.