Menu
Digitale Transformation

Auf dem Weg in die digitale Zukunft

Im November 2011 hat die Bundesregierung das Zukunftsprojekt Industrie 4.0 im Rahmen des Aktionsplans der Hightech-Strategie 2020 gestartet. Im Jahr 2020 ist es also an der Zeit, sich zu fragen, wo wir in Deutschland beim Thema Digitalisierung stehen – gesamtwirtschaftlich und auch ganz speziell in der Druck- und Medienbranche.

Von Jens Meyer, Verband Druck und Medien Bayern e. V. 

Die digitale Transformation ist allgegenwärtig und wir spüren sie tagtäglich im privaten und beruflichen Umfeld. Manchmal auf leisen Sohlen, wenn man anstatt des guten alten TomTom immer häufiger auf Google-Maps zurückgreift. Oder als krasse 180-Grad-Wendung, in der auf einmal die gesamte Unternehmens-IT in die Cloud verschwindet. Wir alle müssen uns dringend um die Digitalisierung kümmern, predigen gebetsmühlenartig alle Medien, Experten und Weisen. Aber Hand aufs Unternehmerherz: Wer hat dies in den letzten Jahren konsequent getan? Viel zu sehr dominieren Wettbewerb und Termine das Tagesgeschäft. Und dennoch stellen wir bei genauer Betrachtung in allen Bereichen eine immer weiter fortschreitende Digitalisierung fest.

Die digitale Revolution ist in vollem Gange! Wenn auch nicht über Nacht, wie das Umlegen eines Schalters, aber als Evolution in nie dagewesener Geschwindigkeit. Technologie- und Business-Innovation erlangen schnell Marktreife und werden oftmals noch schneller von neuen Möglichkeiten überholt. Bis vor Kurzem galt ein Unternehmen ohne eine digitale Strategie als nicht überlebensfähig und in vielen Unternehmen hatten Chief Digital Officer mehr Macht als ihre CEOs. Inzwischen hat man erkannt, dass eine digitale Strategie in ein funktionierendes Geschäftsmodell eingebettet sein muss, denn zu guter Letzt schafft Digitalisierung allein keinen Kundennutzen. Kunden geben keinen Cent für Digitalisierung aus, sondern ausschließlich für den Nutzen, den sie daraus ziehen.

Wenn Unternehmen bis jetzt ohne Digitalisierung erfolgreich sind, bedeutet dies nicht, dass man sich entspannt zurücklehnen kann. Vielmehr sollte man sehr, sehr dankbar sein für ein bisher solides Geschäftsmodell und sich zügig mit dem Thema der digitalen Transformation und den Chancen für das eigene Unternehmen beschäftigen. „Disrupt or be disrupt“ ist ein geläufiges Sprichwort des Silicon Valley, dem Ort, aus dem die meisten digitalen Innovationen stammen. Dort wird konstant nach Nischen oder neuen Möglichkeiten gesucht, um Branchen oder ganze Industrien umzukrempeln. Viel zu viele Beispiele zeigen, wie schnell digital innovative Entrepreneure an etablierten Anbietern vorbeiziehen – der Erfolg von Amazon, Airbnb & Co. basiert nicht auf neuen Dienstleistungen oder Produkten. Diese digitalen Geschäftsmodelle sind eine Form der Wertschöpfung im Rahmen der digitalen Transformation. Sie beruhen auf der Entwicklung eines Kundennutzens auf Basis digitaler Technologien, für den Kunden bereit sind, zu bezahlen. Digitalisierung heißt, sich auf die Suche zu begeben, an welcher Stelle ein Vorteil geschaffen werden kann, der dem Kunden einen Nutzen bringt. Diese Vorteile bzw. der Nutzen können indirekt oder direkt auf den Kunden wirken.

» Digitalisierung muss nicht gleich die High-tech-Lösung oder das disruptive, alles auf den Kopf stellende Geschäftsmodell sein. Oftmals beginnt es mit kleinen Veränderungen. «
Jens Meyer, Verband Druck und Medien Bayern e. V.

Digitale Geschäftsmodelle beeindrucken, doch nicht jedes Geschäftsmodell in etablierten Märkten lässt sich komplett digitalisieren. Zu häufig sind es allein die Absatz- und Vertriebskanäle, die digital werden, nicht zufällig ist E-Commerce eines der stärksten Wachstumsfelder. Selbst wenn die Digitalisierung des eigenen Geschäftsmodells (noch) unvorstellbar ist, sollte sich das Management mit den Chancen beschäftigen, welche durch digitale Transformation bestimmter Unternehmensbereiche oder Prozesse erreicht werden können.

Machen wir uns also auf die Suche nach Möglichkeiten der digitalen Transformation in der Druckindustrie. Kein Unternehmen gleicht dem anderen, selbst Betriebe innerhalb einer Branche unterscheiden sich meist in der Struktur, Größe und Firmenphilosophie. Es gibt keine Digital-Lösung, die für jedes Unternehmen und in jeder Branche gleich gut funktioniert. Out-of-the-Box- Optionen gibt es viele, aber die Anforderungen jedes digitalen Projekts sind individuell, deshalb ist auch zwangsläufig die Lösung immer eine andere. Und leider gibt es auch nicht den einen Masterplan.

Wie in vielen anderen Situationen hilft es, mit offenen Augen einen unvoreingenommenen Blick auf das eigene Unternehmen zu werfen. Hilfreich ist es, die einzelnen Funktionsbereiche, Abteilungen und Abläufe Punkt für Punkt durchzugehen. Ansätze zur Digitalisierung offenbaren sich typischerweise in den Bereichen der Produktion, der Logistik, der Infrastruktur, der Kommunikation und der Verwaltung.

Im ersten Schritt sollten in diesen Bereichen vorhandene Prozessschwächen identifiziert sowie deren Auswirkungen und Risiken beurteilt werden. Mit großem Erstaunen stellen viele Verantwortliche fest, wie lückenhaft und zuweilen chaotisch die eigenen Prozesse organisiert sind.

Im zweiten Schritt werden neue Strukturen definiert und ein Soll-Zustand entworfen.

Im dritten Schritt löst man sich gedanklich von bestehenden Funktions-/Abteilungsgrenzen und überlegt, wie sich Abläufe in dieser neuen Organisationsform gestalten lassen.

Im vierten Schritt wird dann der strategische Nutzen für das Unternehmen und die Kunden definiert. Dabei ist zu klären, welcher strategische Nutzen erreicht werden soll: die Reduzierung des Aufwands, die Steigerung der Flexibilität, die Erzeugung von Transparenz, die Verbesserung der Arbeitsattraktivität oder die Erhöhung der Kundenzufriedenheit?

Selbstverständlich steckt hinter diesen wenigen vier Schritten eine Menge Arbeit. Schnell wird man an Grenzen stoßen: zeitliche Ressourcen, fehlende Detailkenntnisse in einzelnen Bereichen, wenig IT-Kenntnisse sowie geringe Erfahrung und Vorstellungskraft für eine erfolgreiche digitale Zukunftsversion. Das Know-how und die Kompetenz des gesamten Unternehmens und darüber hinaus wird gebraucht und muss fest in die Unternehmenskultur verankert werden. Alle zukünftigen Entscheidungen, in kleinen wie in großen Projekten und vor allem bei strategischen Weichenstellungen, müssen eine Frage in den Fokus stellen: Wie hilft uns die Digitalisierung, um einen höheren Nutzen zu schaffen?

Auf diesem Weg transformiert man das Unternehmen digital und verknüpft die digitale Strategie direkt mit der Unternehmensstrategie. Digitalisierung zu einem nicht mehr wegzudenkenden Bestandteil der Unternehmensorganisation. Daran zeigt sich, dass die digitale Transformation kein abgeschlossener Prozess ist. Was man allerdings dann jeden Tag tut, ist digital zu denken und zu leben.

Jeder wird es merken: Sobald man sich auf den Weg der digitalen Transformation begeben hat, stellen sich schnell erste Erfolge ein. Das Trainieren neuen Wissens und die Anwendung ist mit Lernkurven und immer auch mit Rückschlägen verbunden. Doch das Unternehmen wird schnell auf die digitale Erfolgsspur einbiegen. Wenn das Unternehmen anfängt, digital zu transformieren, rücken neue Themen in den Fokus. Neue Methoden und Arbeitsweisen erfordern zusätzliches Know-how, und schon bald ist man auf der Suche nach Mitarbeitern mit IT-Kenntnissen sein. Mit New Work bzw. Arbeiten 4.0 oder auch Cyber-Sicherheit rücken neue Themen in den Fokus. Und schon denkt man digital, die Digitalisierung hat sich fest in Ihre Unternehmer-DNA eingenistet. Digitale Innovationen werden weniger als Bedrohung denn als Chance verstanden, um den Kundennutzen zu erhöhen.

Digitalisierung muss nicht gleich die High-tech-Lösung oder das disruptive, alles auf den Kopf stellende Geschäftsmodell sein. Oftmals beginnt es mit kleinen Veränderungen oder der Kombination existierender Technologien. Manchmal bringt das Update bestehender Systeme einen erheblichen Leistungsumfang mit, der bisher ungenutzt brachliegt. Die Frage, die sich alle Verantwortlichen stellen müssen: Was bringt uns das Ganze? Digitalisierung ist kein Selbstzweck, sondern muss einen Mehrwert bieten und die Zukunft des Unternehmens sichern. Der wichtigste Punkt einer jeden Digitalisierungsstrategie ist der Startpunkt für den eigenen digitalen Weg. Niemand kann einem auf diesem Weg Sicherheit und Verlässlichkeit garantieren. Doch sein Glück selbst in die Hand zu nehmen, war noch immer der erfolgreichste Weg – auch bei der Digitalisierung.

Ihre Ansprechpartner