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Schwarz / Weiß

Jahresmagazin 2020

Krisen wirken wie ein Brennglas. Sie lassen Schlechtes noch zerstörerischer wirken und Gutes in noch glänzenderem Licht erscheinen. So ist es auch mit der Corona-Krise: einerseits Auftragseinbrüche und Umsatzverluste von nicht gekannter Wucht, andereseits Solidarität und beeindruckendes Ideenreichtum. Diese Ambivalenz zwischen Positivem und Negativem greift das Jahresmagazin 2020 mit seinen zwei separaten Teilen auf. Und jeder Teil hat ein eigens Wappentier: den Weißen und den Schwarzen Schwan.

Editorial

Der „Schwarze Schwan“ ist ein Symbol für extrem seltene Ereignisse, die man nicht vorhersehen kann und die für Gesellschaft und Wirtschaft mit gravierenden Folgen verbunden sind. Erfunden hat dieses „Wappentier“ der libanesisch-amerikanische Publizist und Börsenexperte Nassim Nicholas Taleb. In seinem gleichnamigen Buch beschreibt er bereits 2007, welche massiven Auswirkungen sehr unwahrscheinliche Ereignisse auf das (Welt-) Geschehen haben und warum sie dennoch völlig unerwartet eintreten und eigentlich auch nicht vorhersehbar sind.

Der weltweite Ausbruch des Coronavirus gilt als so ein Schwarzer Schwan, weil er die Welt völlig unerwartet traf und tief greifende Veränderungen nach sich zog. Er zeigt uns anschaulich, wie verwundbar unser komplexes globalisiertes Gesellschafts- und Wirtschaftssystem ist. Vieles, was wir in den vergangenen Jahren der Just-in-time-Logistik und dem Effizienzgebot untergeordnet haben, erweist sich heute als anfällig und fragil.

Das gilt gleichermaßen auch für die Druck- und Medienbranche. Deshalb ist der Schwarze Schwan auch das Erkennungszeichen unseres Jahresmagazins 2020. Er ist rabenschwarz und düster, wie auch viele Wirtschaftsindikatoren. Ob Rückgang des Bruttoinlandsproduktes, Auftragseinbrüche der Industrie, fallende Konsumneigung der Verbraucher, Zunahme der Kurzarbeit, Einbrüche der Werbeausgaben: Im zweiten Quartal fielen viele Wirtschaftsindikatoren in Rekordgeschwindigkeit auf historische Tiefststände. Ob und wann das Vorkrisenniveau wieder erreicht wird, ist gegenwärtig immer noch offen. Vieles spricht dafür, dass die Auswirkungen auch auf unsere Branche tief greifender sein werden als bei der Finanzkrise 2009.

Für Nassim Taleb ist die Corona-Krise übrigens gar kein Schwarzer Schwan, sondern ein typischer Weißer Schwan. Denn Pandemien und Epidemien gebe es seit Tausenden von Jahren, sie seien folglich nicht grundsätzlich neue Erfahrungen, sie resultieren vielmehr aus der Struktur der modernen Welt. Folglich sei auch die Corona-Pandemie erwartbar gewesen. Nur der Zeitpunkt und der genaue Charakter des Ausbruchs seien unbekannt gewesen – von den Warnungen der Wissenschaft ganz zu schweigen. Wie dem auch sei, es lohnt sich, diesen Gedanken einmal weiterzuspinnen. Und deshalb hat unser Jahresmagazin auch einen zweiten weißen Teil.

Was aber von der Krise unberührt bleibt, ist die ungebrochene Faszination eines gut gemachten Druckprodukts. Weil Print die Menschen im wahrsten Sinne des Wortes so berührt wie kein zweites Medium. Genau dies wollen wir auch mit einem außergewöhnlichen Jahresmagazin 2020 unter Beweis stellen. Und deshalb besticht die Publikation neben besonderen Gmund-Papieren und anspruchsvollen Drucktechniken durch seine zahlreichen Veredelungen und ausgefeilten Buchbindefertigkeiten.



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