Unternehmensnachfolge in der Druckindustrie – Mittwoch, 7. Oktober 2015

Erben - Kaufen - Übernehmen

Familienbetriebe sind das Rückgrat der deutschen Wirtschaft und die mittelständischen Unternehmen in der Druckindustrie, die vorwiegend geprägt ist von Familienbetrieben, stehen vor einem großen Umbruch. Nicht nur weil die Branche sich in den letzten Jahren stark verändert, sondern auch, weil der Demografische Wandel dort stark spürbar wird, hat das Thema Unternehmensnachfolge eine hohe Relevanz: Immer mehr Unternehmen suchen einen Nachfolger!

Wie groß die Veränderungen in den Unternehmen bereits kurzfristig sein werden, zeigen die Detailzahlen aus der Umfrage des Verbands Druck und Medien Bayern, die bundesweit durchgeführt wurde. Zwei Drittel der Befragten gaben an, dass sie in den nächsten fünf Jahren einen Nachfolger für Ihr Unternehmen suchen. Dies zeigt bereits, welche Dimension der Generationenwechsel in den mittelständischen Unternehmen der Druckindustrie hat. Dabei gewinnt die Suche außerhalb der Familie immer mehr an Relevanz. Knapp 50 % der befragten Unternehmer gaben an, dass sie entweder an einen Investor, an einen Wettbewerber oder an einen Mitgesellschafter bzw. an das Management verkaufen möchten. Die meisten Kinder wollen nicht in die Fußstapfen der Eltern treten. Sie haben andere Karrierepläne, als im heimischen Betrieb das Zepter zu schwingen. Deshalb ist es u.a. auch wichtig, dass man sich als Unternehmer sehr frühzeitig mit dem Thema Nachfolgeregelung beschäftig, um einen potentiellen Nachfolger, der sowohl die fachliche als auch die kaufmännische Kompetenz vorweisen kann, findet. Dies sind laut Umfrage die größten Herausforderungen bei der Nachfolgeregelung. Unterstützung erhoffen sich rund 50 % der Befragten dabei von einem Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer oder dem Verband, wobei das eigene Netzwerk mit knapp 75 % den größten Stellenwert einnimmt. "Als Verband kennen wir natürlich die Branche seit vielen Jahren sehr genau und gemeinsam mit unseren Experten aus der Unternehmens- und Steuerberatung sowie aus der Anwaltschaft und dem verbandlichen Arbeitsrecht können wir wichtige Grundlagen, rechtliche Rahmenbedingungen und mögliche Fallstricke aufzeigen. Dieser Mehrwert wird, wie aus der Umfrage ersichtlich, von unseren Mitgliedern sehr geschätzt", so Holger Busch, Hauptgeschäftsführer des Verbands Druck und Medien Bayern.

Für viele Unternehmer ist es allerdings nicht ganz einfach, an den Rückzug aus dem mit viel Mühe aufgebauten Unternehmen zu denken, denn es kostet viel Überwindung, sich von seinem Lebenswerk zu lösen und einem qualifizierten Nachfolger den Platz zu überlassen. Folgerichtig wollen die meisten Mittelständler dem Unternehmen zunächst auch weiter verbunden bleiben. Besonders deutlich wird dies daran, dass rund 70 % der Befragten nach der Unternehmensübergabe eine beratende Funktion im Unternehmen einnehmen möchten. "Für Nachfolger und bisherige Inhaber sicherlich keine einfache Konstellation. Dennoch eine sinnvolle Lösung, um keinen Cut, sondern einen schleichenden Übergang und somit keine negativen Einflüsse auf den Geschäftsbetrieb bzw. wirtschaftliche Einbußen zu haben", so Busch abschließend.

Vom Vererben über Verkauf, Aufkauf bis hin zur Übernahme. Die Verbände Druck und Medien in Baden-Württemberg und Bayern beleuchteten alle Varianten bei ihrer eigens auf die Branche zugeschnittenen Fachtagung "Unternehmensnachfolge in der Druckindustrie" am 7. Oktober in Ismaning, um zu informieren, aufzuklären und neue Impulse zu setzen. Die Experten aus der Unternehmens und Steuerberatung sowie aus der Anwaltschaft zeigten wichtige Grundlagen, rechtliche Rahmenbedingungen und mögliche Fallstricke auf. Zudem berichteten die Unternehmer Matthias Abt und Hannes Riebl mit seinem Schwiegersohn Florian Harrer in ihren Erfahrungsberichten, welche Herausforderungen es bei der Übergabe in ihren Unternehmen gab. Ein "Schema F" gab es bei beiden Unternehmensübergaben nicht, allerdings war der einstimmige Tenor, dass zum einen die Kommunikation miteinander und zum anderen der schleichende Übergang die beste Lösung war. Beide wiesen zudem eindringlich darauf hin, dass die Unternehmensübergabe nur mit Unterstützung von professionellen, externen Partnern, zum Erfolg geführt hat. Berichte von der Praxis für die Praxis.

Die zahlreichen Teilnehmer wussten es zu schätzen und profitierten insgesamt bei der Veranstaltung von vielen Anregungen und neuen Sichtweisen auf das Thema. "Für meine eigene Nachfolgeregelung ist mir in Bezug auf die Vorgehensweise jetzt einiges klarer geworden!" lobte ein Teilnehmer den sehr guten Überblick den die Veranstaltung über die Facetten von Unternehmensnachfolge gab. "Für mich sehr wichtige Vorträge, die mich um einiges weitergebracht haben in meiner Überlegung bei der Nachfolgeregelung", bestätigte ein weiterer Teilnehmer die Relevanz und Praxisnähe der Veranstaltung.

Vom Vererben über Verkauf, Aufkauf bis hin zur Übernahme - es gibt viele Varianten. Wichtig ist allerdings, und da waren sich am Ende sowohl die Experten als auch die Teilnehmer einig: Man muss sich rechtzeitig mit dem Thema und dem Prozess der Nachfolge beschäftigen, um mögliche Fallstricke zu vermeiden.

Ihre Ansprechpartner

Holger Busch
Hauptgeschäftsführer / Geschäftsführendes Vorstandsmitglied
Tel: 089 33036 - 110, Fax: - 150
Jens Meyer
Mitglied der Geschäftsleitung des VDMB / Geschäftsführer der PRINTXMEDIA Süd GmbH
Tel: 089 962287 - 11, Fax: - 77

Partner

Highlight: Wolfgang Fiebig

Wolfgang Fiebig, ALIA-Coaching

Schaut man in die Literatur zur Unternehmens-
nachfolge, könnte man meinen, es bräuchte nur ein paar gut ausgearbeitete Verträge von Wirtschaftsprüfern, Juristen und Steuerberatern und schon wäre die Unternehmensnachfolge – zur Zufriedenheit aller – erledigt. Weit gefehlt! Warum ist das so?

Das erklärt auf unnachahmliche Weise Erfolgscoach Wolfgang Fiebig. Denn der Mensch ist kein rationales Wesen. Was immer wir auch tun, wir befinden uns grundsätzlich in einer Rolle. Die Rolle, in der wir uns befinden, bestimmt unser Verhalten. Je nach Situation werden wir – teils automatisch – in unterschiedliche Rollen schlüpfen. Und das bringt eine ganz neue Komponente in das Thema Unternehmensnachfolge, die Wolfgang Fiebig launig, fachlich fundiert und mitreißend beleuchten wird.

Guter Nachfolger – Engpass in der Druckindustrie

Jens Meyer,
printXmedia Süd GmbH

Für viele Druckereien stellt die Unternehmens-
nachfolge eine sehr ernst zu nehmende Heraus-
forderung dar: Steht die nachfolgende Generation zur Verfügung, verkaufe ich an einen dritten Partner oder ans eigene Management? Jens Meyer zeigt die Handlungsoptionen in der Suche nach einem geeigneten Nachfolger auf und präsentiert die Ergebnisse der aktuellen Umfrage.

Timing, Kultur und sichere Finanzierung

Dr. Alexander Sasse,
Concentro Management AG

Dr. Alexander Sasse ist Vorstand der Beratungsgesellschaft Concentro Management AG und hat in dieser Funktion bereits zahlreiche Unternehmen der Druckindustrie und darüber hinaus bei Veräußerungsprozessen begleitet. Er zeigt auf, wie wichtig das richtige Timing, der optimale Verkaufszeitpunkt und ein strukturierter Verkaufsprozess sind. Aus seinen Erfahrungen heraus gibt er Einblick in die Notwendigkeit einer Transaktionskultur und einer klaren M&A-Strategie – mit konkreten Tipps, um Fallstricke bei der M&A-Transaktion zu vermeiden.

Unternehmensnachfolge – ein Glücksspiel oder Meisterstück?

RAin Angelika Kapfer, Beiten Burkhardt
Rechtsanwaltsgesellschaft mbH

Angelika Kapfer ist Partnerin bei BEITEN BURK-
HARDT in München. Sie geht mit ausgewiesenem Sachverstand und an der Praxis orientiert auf die rechtlichen Möglichkeiten der Unternehmens-
nachfolge ein. Dabei beleuchtet sie insbesondere die rechtlichen Herausforderungen von familieninternen, unternehmens-
internen und externen Lösungen. Zudem weist sie auf die Besonderheiten hin, die bei insolvenzrechtlichen Vorgängen zu beachten sind.

Steuerliche Überlegungen für eine geglückte Unternehmensnachfolge

Dr. Stefan Berz,
LKC Kemper – Czarske – v. Gronau – Berz

Steuerliche Überlegungen sollten bei der Unternehmensnachfolge nicht die erste Geige spielen, aber ihre Vernachlässigung kann sehr teuer werden: Ein Plädoyer für eine aktive Annäherung an ein komplexes Thema.

Betriebsübergänge sicher meistern

RA Martin Stier, Verband Druck und Medien Baden-Württemberg

Die Übernahme eines Betriebes im Wege eines Asset-Deals führt in der Regel dazu, dass die Arbeitsverhältnisse auf den Erwerber übergehen. Vor dem Deal müssen hier die Weichen sicher-
gestellt werden, um böse Überraschungen zu vermeiden. Die Risiken müssen in die Kaufpreisermittlung einbezogen werden.

Nachfolge im Familienunternehmen –                      die 3. Generation

Matthias Abt, ABT Print und Medien GmbH 

Übergabe von beiden Elternteilen an die beiden Söhne Matthias und Michael Abt. Ein Erfahrungs-bericht über Ablauf und Vorbereitungen der Unternehmensnachfolge, sowie der Herausfor-derung von Kultur- und Prozessänderungen. Der „schleichende“ Übergang der Geschäftsführung von beiden Elternteilen an die zwei Söhne, wobei es keinen „Cut“ gab, wird im Hinblick auf Prozesse und Firmenkultur erläutert. Was waren Herausforderungen, was lief nicht ganz nach Plan. Ein Bericht aus der Praxis für die Praxis.

Es bleibt in der Familie

Hannes Riebl und Florian Harrer,
RIEBL-Siebdruck GmbH

Knapp die Hälfte der Unternehmensnachfolgen spielen sich innerhalb der Familie ab. Hannes Riebl hat in seinem Unternehmerleben vieles erlebt und gemeistert, die Unternehmensnachfolge stellte ihn vor eine komplett neue Herausforderung: Ein Erfahrungsbericht.

Unternehmensweiterführung aus der Insolvenz

Norbert Hettrich,
Druckhaus Weppert

Norbert Hettrich führt ein erfolgreiches und wachsendes Medienhaus. Er kennt sich aus mit verschiedenen Varianten der Übernahme anderer Unternehmen und ihrer Integration. Sowohl für sein Stammhaus als auch für die übernommenen Betriebe – sei es durch geplanten Verkauf oder aus einer Insolvenz – bietet seine Strategie Vorteile. Er erläutert aus seiner reichhaltigen Erfahrung, wie wichtig Business-Pläne, Taktik und Strategie, aber auch der menschliche Faktor sind; und welche Dos and Don´ts er empfiehlt.